Probleme mit Kirche (I)
Ein heute gehörtes Zitat:
Ich gehe nicht gerne zur Kirche. Die Leute da drinne machen alle einen auf Heilig. Aber dann kommen sie aus der Kirche raus und fangen an zu lästern. Und die Leute, mit denen sie am Sonntag in der Kirche so nett geredet haben, die kennen sie wochentags gar nicht mehr oder feinden sie sogar an. Ich möchte mich nicht präsentieren, sondern ich möchte für mich in die Kirche gehen. Aber so geht das nicht.
Schade, dass ich immer wieder auf Menschen treffe (oder von welchen höre), die so von der Kirche bzw. von Christen denken. Aber man kann es dem Autor dieses Zitates auch nicht verübeln. Wenn er solch schlechte Erfahrungen gemacht hat, dann hat das logischerweise einen Einfluss auf sein Bild von Christen und Kirche.
Ich muss mir immer wieder bewusst machen, dass ich für Leute, die nicht differenzieren (können oder wollen), Christen und Kirche in ihrer Gesamtheit repräsentiere. Selbst wenn ich das gar nicht möchte. Und doch schauen andere Menschen auf mich und denken: “Aha, so ist ein Christ. So verhält sich und lebt also jemand, der Jesus nachfolgt (oder es zumindest vorgibt zu tun).”
Auf der einen Seite möchte ich das so gut wie möglich tun (Nächstenliebe praktizieren usw.), auf der anderen Seite will ich auch nicht Gottes Rechtsanwalt spielen sein. Gott repräsentiert sich selbst. Und wenn Leute auf mich schauen und damit ihr (negatives) Gottesbild begründen, dann weiß ich mich und meine Schwächen und Fehler in Gottes Hand. Diese Spannung gilt es ein Leben lang auszuhalten.
Gedanken zum Christival 2008
Viel Gutes, aber auch Kritik gäbe es zum Christival zu sagen. Aber das haben andere schon ausführlich getan. Von mir nur soviel: Ich fand es insgesamt auch sehr gut und habe neue Impulse für mein Leben als christ-follower bekommen.
Was mich sehr nachdenklich gemacht hat, waren die teilweise sehr störenden Proteste und z.T. gewalttätigen Aktionen auf dem und um das Christival. So habe ich die Durchbrechung des Zaunes in der letzten Reihe der Tribüne bei der Eröffnungsveranstaltung direkt mitbekommen. Auch auf dem Marktplatz in Bremen war richtig viel los. Hetzparolen gegen Christen, Schlägereien mit der Polizei u.ä. Das habe ich in dieser Form noch bei keiner christlichen Veranstaltung erlebt.
Ich denke, die Menschen, die dort protestiert haben, waren ziemlich schlecht informiert und hatten ihr Wissen über die Veranstaltung und über Christen zum größten Teil aus den (undifferenzierten, einseitigen, propagierenden) Medien. Und wie sagt man doch: Halbwissen tötet!
Aber noch viel eher sehe ich eine Herausforderung an mich selbst durch dieses Christival: Ich will noch authentischer Jesus nachfolgen, ich will noch toleranter werden, ich will mich noch mehr bilden. Denn ich will weder jemals so (uninformiert und undifferenziert) sein, wie die meisten Gegner (keinesfalls alle), noch will ich irgendwann auch nur ansatzweise so ein Bild eines Jesusnachfolgers abgeben, wie die Gegner offensichtlich in Gedanken hatten und haben. Nicht alle, die sich Christen nennen, sind so wie sie von den Medien in den letzten Wochen dargestellt wurden.
Besonders bezeichnend finde ich die Kommentare zu Christival-Meldungen auf queer.de. Was da Leute von sich geben… nur ein paar Stichworte dazu: Undifferenziertes Halbwissen, verbale Gewalt, Propaganda gegen Evangelikale, alles über einen Kamm scheren. Dort passiert verbal genau das Gegenteil der Toleranz, die auf der anderen Seite gefordert wird. Aber macht euch selbst ein Bild. Gebt auf der Seite bei der Suche einfach “Christival” ein.
jesusmäßig leben in der postmoderne.
gegen den fundamentalismus.
für das gute.