Probleme mit Kirche (II)
Heute morgen war ich seit langem wiedermal in einem evangelisch-landeskirchlichen Gottesdienst. Und ich habe wirklich versucht mich gedanklich und emotional darauf einzulassen.
Es war ein liturgischer Gottesdienst mit viel kanaanäischem mittelalterlichem Blabla (das zudem vom Pfarrer noch abgelesen wurde) und (in meinen Ohren) grausamer Orgelmusik zu Gesängen aus dem 16. Jahrhundert. Das Abendmahl wirkte ein bißchen wie eine Abfertigung und der Pfarrer schwankte ab und zu zwischen einem stockernsten und einem erheitertem Gesicht.
Einzig und allein die Predigt von Axel Kühner hat den Gottesdienst aus den Miesen geholt. Es ging um den Heiligen Geist als Tröster und den Vertrauens-Vertrag, den Gott uns mit Pfingsten anbietet. Rhetorisch perfekt, komplett ohne Skript (also frei gehalten) und in einer Sprache, die meiner Meinung nach für jüngere und ältere Menschen ansprechend war. Die Predigt war authentisch, direkt und inhaltlich ermutigend sowie aufbauend.
Allerdings sind mir im Rückblick auf den Gottesdienst heute nochmal viele meiner (äußerlichen) Kritikpunkte an der heutigen Landeskirche (so wie ich sie bisher überwiegend kennen gelernt habe), eingefallen:
- Kalter, unfreundlicher Raum
- Angespannte Atmosphäre vor Beginn des Gottesdienstes (keine Gespräche)
- Harte, unbequeme Sitzmöglichkeiten
- Bühnen- bzw. Pfarrerzentrierung
- Mittelalterliche Sprache und Musik
- Gästeunfreundliche Liturgik
- Lebens- bzw. alltagsferne Sprache
- Unverständliche Symbolhandlungen
Selbstverständlich weiß ich, dass es nicht in allen Landeskirchen so ist und dass es durchaus positive Gegenbeispiele gibt. Allerdings habe ich noch nicht viele positive Erfahrungen gemacht. Und daraus folgere ich, dass der Großteil der evangelischen Kirchen (in Deutschland) unverändert einen großen Bedarf an Veränderungen hat.
Böse Zungen prophezeiten ja sogar ein Sterben der Landeskirchen in den nächsten Jahrzehnten. Die Frage ist für mich nur, ob man dieses Sterben nicht bewusst und kontrolliert herbeiführen sollte anstatt abzuwarten bis es unkontrolliert von selbst eintritt.
Hier ist für mich ein erster Anknüpfungspunkt zur emerging church Bewegung. Aber dazu werde ich später sicher nochmal mehr schreiben.
PS: Ich bin mir bewusst, dass ich nicht der erste und einzige bin, der solche Gedankengänge hat und verfolgen möchte.
Probleme mit Kirche (I)
Ein heute gehörtes Zitat:
Ich gehe nicht gerne zur Kirche. Die Leute da drinne machen alle einen auf Heilig. Aber dann kommen sie aus der Kirche raus und fangen an zu lästern. Und die Leute, mit denen sie am Sonntag in der Kirche so nett geredet haben, die kennen sie wochentags gar nicht mehr oder feinden sie sogar an. Ich möchte mich nicht präsentieren, sondern ich möchte für mich in die Kirche gehen. Aber so geht das nicht.
Schade, dass ich immer wieder auf Menschen treffe (oder von welchen höre), die so von der Kirche bzw. von Christen denken. Aber man kann es dem Autor dieses Zitates auch nicht verübeln. Wenn er solch schlechte Erfahrungen gemacht hat, dann hat das logischerweise einen Einfluss auf sein Bild von Christen und Kirche.
Ich muss mir immer wieder bewusst machen, dass ich für Leute, die nicht differenzieren (können oder wollen), Christen und Kirche in ihrer Gesamtheit repräsentiere. Selbst wenn ich das gar nicht möchte. Und doch schauen andere Menschen auf mich und denken: “Aha, so ist ein Christ. So verhält sich und lebt also jemand, der Jesus nachfolgt (oder es zumindest vorgibt zu tun).”
Auf der einen Seite möchte ich das so gut wie möglich tun (Nächstenliebe praktizieren usw.), auf der anderen Seite will ich auch nicht Gottes Rechtsanwalt spielen sein. Gott repräsentiert sich selbst. Und wenn Leute auf mich schauen und damit ihr (negatives) Gottesbild begründen, dann weiß ich mich und meine Schwächen und Fehler in Gottes Hand. Diese Spannung gilt es ein Leben lang auszuhalten.
jesusmäßig leben in der postmoderne.
gegen den fundamentalismus.
für das gute.